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Aktuelle Ausgabe 1/2021

 

Inhalt

1. Editorial
2. Internetpräsentation »Psychiatrie in Sachsen – Das Jahr 1990«
3. VortragsSpaziergang zur Familie Schreber
4. Termine und Informationen
5. Buchempfehlungen
6. Ihre Unterstützung
7. Abonnement und Kontakt
8. Impressum

1. Editorial

Liebe Freundinnen und Freunde des Sächsischen Psychiatriemuseums,
in diesem Newsletter können wir auf drei Jubiläen verweisen. Zum einen erscheint dieser Newsletter zum 50. Mal, nachdem wir Anfang 2005 begonnen haben, Sie auf diesem Weg über Neuigkeiten des Sächsischen Psychiatriemuseums, Neuerscheinungen und Termine zu psychiatriegeschichtlichen Themen zu informieren.
Zum anderen feierte die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein 2020 ihr zwanzigjähriges Bestehen und wir stellen die aus diesem Anlass erschienene neueste Publikation in unseren Buchempfehlungen vor.
Jubiläum Nr. 3: Unser Museum wurde vor zwanzig Jahren eröffnet. Zur Museumsnacht im Mai 2001 starteten wir mit unserer Dauerausstellung »IRR-SINN. Einblicke in die Sächsische Psychiatriegeschichte«. Ca. 40.000 Besucher, 25 Sonderausstellungen, 125 psychiatrie-geschichtliche Stadtführungen und zahlreiche Veranstaltungen hätten sicher eine kleine Feier verdient. Doch wir mussten das Jubiläumsprogramm auf den Herbst verschieben. Dazu mehr im nächsten Newsletter.
Nun freuen wir uns erst einmal darüber, dass wir nach langer Pause seit 16. Juni 2021 wieder Gäste begrüßen können! Vielleicht kommen auch Sie mal vorbei?
Mit besten Grüßen
Ihr Thomas R. Müller
Sächsisches Psychiatriemuseum

2. Internetpräsentation »Psychiatrie in Sachsen – Das Jahr 1990«

Anfang 2021 wurde die Internetpräsentation »Psychiatrie in Sachsen – Das Jahr 1990« auf der Homepage des Sächsischen Psychiatriemuseums Leipzig (www.psychiatriemuseum.de) veröffentlicht. Dreißig Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung widmet sich die Präsentation den Ereignissen in der Psychiatrie der DDR mit dem Schwerpunkt Sachsen im Jahr 1990. Wie in allen gesellschaftlichen Bereichen war jenes Jahr auch für die Psychiatrie von der fachlichen und öffentlichen Auseinandersetzung mit den bestehenden Verhältnissen und von der beginnenden Etablierung neuer Strukturen gekennzeichnet.
In der Internetpräsentation werden die Entwicklungen des Jahres 1990 dargestellt:
Den Ausgangspunkt bildet die Situation der Psychiatrie in der DDR/Sachsen im Jahr 1990. Es werden verschiedene Bereich der Psychiatrie beleuchtet; unter Berücksichtigung der im Auftrag der Bundesregierung mit Beteiligung von Experten aus Ost und West erarbeiteten Bestandsaufnahme »Zur Lage der Psychiatrie in der ehemaligen DDR«.
Die Bürgerbewegung in der DDR kam auch in der Psychiatrie zum Tragen, in psychiatrischen Einrichtungen entstanden Gruppen des Neuen Forums. Im November 1989 gründete sich in Leipzig eine Basisgruppe Psychiatrie-Betroffene beim Neuen Forum, die mit dem Aushang »Glasnost auch in der Psychiatrie« an die Öffentlichkeit ging, Hearings organisierte und Ansprechpartner für die Medien war, wo sie aus der Perspektive der Betroffenen auf Defizite der psychiatrischen Versorgung hinwies und sich für die Rechte und die Akzeptanz der Betroffenen einsetzte.
Im Februar 1990 wiesen Vertreter der Basisgruppe auf den Missbrauch der Psychiatrie in der Nervenklinik Waldheim hin und stellten nach einem Besuch der Klinik Anzeige gegen die Verantwortlichen. Eine breite Öffentlichkeit erreichte das Thema des vermeintlichen politischen Missbrauchs in Waldheim durch eine Artikelserie in der Zeitschrift »Stern«, in deren Folge sich zahlreiche Untersuchungsausschüsse mit dem Thema befassten.
Wie eine Presseschau zeigt, berichteten die Medien aber auch über andere Aspekte der Psychiatrie im Jahr 1990.
Der Aufbruch in der Psychiatrie manifestierte sich neben den strukturellen Veränderungen in der stationären Psychiatrie und im ambulanten Bereich insbesondere im Aufbau komplementärer Versorgungsstrukturen. Mitarbeiter, Betroffene und Bürgerinnen und Bürger gründeten 1990 Vereine, die sich in den Bereichen Beratung, Wohnen und Arbeit engagierten. Im August 1990 stellen sich die Leipziger Vereine und Initiativen zum »Tag der Sozialpsychiatrie« vor und erreichten damit erstmals in der DDR eine größere Öffentlichkeit.
Auch Fachgesellschaften und Verbände wie die Gesellschaft für kommunale Psychiatrie (GKP) konstituierten sich.
Zu den einzelnen Kapiteln finden sich Texte sowie Fotos und Dokumente. Ergänzt wird die Darstellung durch kurze Audiobeiträge, in denen sich Zeitzeugen zu ihren damaligen Erfahrungen und Eindrücken äußern.
Geplant ist die Veröffentlichung eines Readers mit weiteren Dokumenten.
Die Internetpräsentation wurde im Rahmen des Projektes »Psychiatrie in Sachsen. Aufbau eines Dokumentations- und Informationszentrum zur Geschichte der Psychiatrie nach 1945«, gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz, erarbeitet. Redaktion: Thomas R. Müller, Web-Design: Martin Baier.
Wir danken allen Partnern (Archive, Einzelpersonen, Vereine und Institutionen) für die Unterstützung des Projektes!

3.VortragsSpaziergang zur Familie Schreber

Am 12. Juni 2021 fand eine gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Kleingärtnermuseums und des Sächsischen Psychiatriemuseums zur Familie Schreber statt. Aus Anlass des 160. Todesjahrs von Dr. Moritz Schreber und des 110. Todesjahres von Dr. Daniel Paul Schreber bot sich die Gelegenheit zur Kooperation der beiden örtlich nahegelegenen Museen, die die Geschichte der Familie Schreber inhaltlich verbindet.
Ausgangspunkt war das Gelände des Kleingärtnermuseums in der Aachener Straße, wo die ca. 20 Besucher über die Ursprünge und die Entwicklung der Schreber-Bewegung informiert wurden. Weiter ging es im Garten der Mainzer Str. 7. Alexandra Uhlisch sprach über die Familie und Biographie von Moritz Schreber und dessen Briefe an die Eltern von einer Reise als Leibarzt eines russischen Adligen in den Jahren 1835/36. Weiter ging Frau Uhlisch auf Schrebers Tätigkeit als Orthopäde und auf dessen Erziehungsratgeber ein.
Thomas Müller berichtete über Daniel Paul Schreber und die autobiographische Schrift „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“, in der Schreber seine Erfahrungen während der mehr als achtjährigen Aufenthalte in der Psychiatrie in Leipzig und Pirna-Sonnenstein schildert. Über die Rezeptionsgeschichte des Buches wurde der Wandel der Beurteilung des Verhältnissees zwischen Vater und Sohn Schreber und den möglichen Einfluss des Wirkens des Vaters auf die psychische Gesundheit des Sohnes dargestellt.
Die Veranstaltung wird am 17. Juli 2021 wiederholt. Weitere Informationen zur Anmeldung unter »Terminen und Informationen«.

4. Termine und Informationen

23. Juni 2021, 16 Uhr
Psychiatrische Fachbücher aus dem Nationalsozialismus und die Zensur in der SBZ und frühen DDR
Vortrag von Prof. Dr. phil. Dipl. Biol. Igor J. Polianski, Universität Ulm
Online-Veranstaltung Fortbildungsveranstaltung des ZfP Südwürttemberg in Ravensburg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm
Link über: Th.Mueller@ZfP-Zentrum.de



17. Juli 2021, 14 Uhr
VortragsSpaziergang zur Familie Schreber
Treff: 14 Uhr Eingang Kleingärtnermuseum, Aachener Str. 7
Anmeldung erbeten: 0341-2111194; kleingaertnermuseum@t-online.de
Teilnehmerbeitrag: 6 EUR / 4 EUR

5. Buchempfehlungen

  • Burkhart Brückner, Franz-Werner Kersting (Hrsg.)
  • Eine vergessene Geschichte: Psychiatrische Sozialarbeit in Deutschland

  • Boris Böhm (Hrsg.)
    Fundstücke. Eine Forschungsbilanz aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens der
  • Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein




Burkhart Brückner, Franz-Werner Kesting (Hsg.)
Eine vergessene Geschichte: Psychiatrische Sozialarbeit in Deutschland

Berichte, Dokumente und Analysen aus der Bundesrepublik und der DDR (1960-1990)
Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen, Mönchengladbach 2021
ISBN: 978-3-933493-48-4

Der Band widmet sich einem in der Geschichte der deutschen Psychiatrie unterrepräsen-tierten Thema – der Psychiatrischen Sozialarbeit. Das Buch basiert auf dem 2018 auf dem DGPPN-Jahreskongress veranstalteten Diskussionsforum »Psychiatrische Sozialarbeit – Eine vergessene Geschichte«.
In seinem einführenden Beitrag gibt Burkhart Brückner einen Überblick zu der Herausbildung der Sozialarbeit in der Psychiatrie in Deutschland im internationalen Vergleich und stellt den
Aufbau der stationären psychiatrischen Sozialarbeit (BRD) bzw. Gesundheitsfürsorge (DDR) mit ihren intramuralen und den im Zuge der Psychiatriereform zunehmend nach außen (Beispiel Sozialpsychiatrische Dienste in Westberlin) gerichteten Handlungsfeldern dar.
Im zweiten Teil wird das Podiumsgespräch mit drei Zeitzeuginnen (Ilse Eichenbrenner, Waltraut Matern, Susanne Ulrich) dokumentiert.
In seinem Kommentar zu dem Zeitzeugengespräch hebt Franz-Werner Kersting die hohe Identifikation und Zufriedenheit der Akteurinnen mit ihrem Tätigkeitsfeld hervor, was Kersting u.a. mit dem besonderen Anteil dieser Berufsgruppe bei der alltagspraktischen Umsetzung der zentralen Reformziele der Psychiatrie erklärt, nicht ohne auf die Spezifik in Ost und West zu verweisen.
Ulrich Kießling beschreibt und reflektiert vor dem Hintergrund des eigenen beruflichen Werdegangs die Psychiatrische Sozialarbeit in der DDR. Seine Darstellung gibt in Anbetracht der schwierigen Quellenlage wenig bekannte Einblicke in die Gesundheits- und Sozialfür-sorge der DDR mit ihren Protagonistinnen und Protagonisten, Ausbildungsstätten und Arbeitsbereichen.
Der Band wird ergänzt durch einen Dokumentenanhang mit zeitgenössischen Fachbeiträgen.
Thomas R. Müller




Boris Böhm (Hrsg.)
Fundstücke
Eine Forschungsbilanz aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Leipziger Universitätsverlag 2020; ISBN 978-3-96023-383-1

Am 9. Juni 2020 jährte sich zum 20. Mal der Tag der Eröffnung der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein. Wie vielerorts waren aufgrund der Corona-Pandemie keine Feierlichkeiten möglich und auch die für diesen Zeitraum geplante Frühjahrstagung des Arbeitskreises zur Erforschung der nationalsozialistischen »Euthanasie« und Zwangssterilisation in der Gedenkstätte musste abgesagt werden. Mit dem vorliegenden Band ist nun eine Publikation erschienen, die einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeit der Gedenkstätte gibt.
Fast 30 Jahre hat Boris Böhm die Gedenkstätte geprägt. In einem Aufsatz zu den Sammlungsgegenständen erinnert sich Böhm an seine Anfänge als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V., die mit einem weißen Blatt buchstäblich am Punkt Null begonnen hat. Bis heute hat die Gedenkstätte unter seiner Leitung durch Forschungen und Projekte wie das sächsische Gedenkbuch, Tagungen, Ausstellungen, eine umfangreiche Publikationstätigkeit und nicht zuletzt durch die vielfältigen Kooperationen (von denen auch das Sächsische Psychiatriemuseum profitierte) eine weit über Sachsen hinausreichende Bedeutung bei der Aufarbeitung der »Euthanasie«-Verbrechen, aber auch bei der Beschäftigung mit der Geschichte der Psychiatrie und mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten erlangt.
Vielfältig sind auch die Themen dieses Bandes. So lässt sich u.a. nachlesen, dass Ulrich Rottleb bei den Recherchen in den Patientenakten der Landesanstalt Waldheim auf der Rückseite von Aktenblättern als vernichtet bzw. unauffindbar geltende Teile von Transportlisten der NS-»Euthanasie« entdeckte.
Dietmar Schulze wertet die Todesanzeigen für »Euthanasie«-Opfer in sächsischen Tageszeitungen aus. Neben der quantitativen und qualitativen Analyse berichtet er von dem Leipziger Pfarrer Johannes Herz, der 1940 solche Anzeigen sammelte und sich in einem Brief an Dr. Eberhard Teuffel, Mitglied des Reichsgerichts in Leipzig, wandte.
Hagen Markwardt stellt den Bestand von Patienten- und Verpflegtenakten des Bezirkspflege-heims Freital-Saalhausen vor, den die Gedenkstätte 2015 übernehmen konnte und der einen seltenen Einblick in den Bereich der sächsischen Alten- und Pflegeheime gibt.
Zu den Perspektiven der Gedenkstätte zählt die 2020 beschlossene Zusammenführung der Gedenkstätte Sonnenstein mit der Gedenkstätte Großschweidnitz. Außerdem kündigt Boris Böhm die Erarbeitung einer neuen Ausstellung der Gedenkstätte Sonnenstein an, die zum 25jährigen Jubiläum eröffnet werden soll.
Thomas R. Müller


6. Ihre Unterstützung

Für die Finanzierung unserer Arbeit sind wir auf Drittmittel angewiesen. Dabei hilft uns jede Spende. Auf Wunsch stellen wir Ihnen gern eine Spendenquittung aus.
Spendenkonto: IBAN: DE 59 860205000003521400
BIC: BFSWDEE33LPZ (Bank für Sozialwirtschaft)
Stichwort: Psychiatriemuseum

9. Abonnement und Kontakt

Um den Newsletter abzubestellen oder mit uns Kontakt aufzunehmen, schicken Sie uns bitte eine Mai an:

10.Impressum

Herausgeber:Sächsisches Psychiatriemuseum
des Vereins Durchblick e.V.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Thomas R. Müller
Redaktionsschluss: 16. Juni 2021

www.psychiatriemuseum.de
www.durchblick-ev.de

© Sächsisches Psychiatriemuseum Mainzer Straße 7  04109 Leipzig

 

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