Augen

Newsletter 2/17

Inhalt

1. Editorial
2. Rückblick 2017
3. Termine und Informationen
4. Buchempfehlungen
5. Ihre Unterstützung
6. Abonnement und Kontakt
7. Impressum

1. Editorial

Liebe Freunde des Sächsischen Psychiatriemuseums,
vielleicht haben Sie unseren Newsletter schon ein wenig vermisst. Zum Ende des Jahres erhalten Sie nun endlich die zweite Ausgabe 2017 und damit eine sehr erfreuliche Nachricht: 2017 wird mit mehr als 3000 Besuchern das zahlenmäßig erfolgreichste Jahr unseres Bestehens. Wir freuen uns über dieses weiter wachsende Interesse und hoffen, dass auch Sie unserem Museum 2018 gewogen bleiben, uns wieder einmal besuchen und weiter­empfehlen. Gelegenheit für einen kurzfristigen Besuch bieten die Öffnungszeiten in der letzten Dezemberwoche, die Sie dem Terminüberblick entnehmen können.
Auch im Namen der Mitarbeiter des Museums und des Vereins Durchblick e.V.  wünsche ich Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr!
Ihr Thomas R. Müller
Sächsisches Psychiatriemuseum

2. Rückblick 2017

Das Sächsische Psychiatriemuseum hatte 2017 mehr als 3.000 Gäste (Stand 20.12.:  3025) und damit die höchste Besucherzahl seiner 15jährigen Geschichte (seit der Eröffnung 2001 fast 35.000 Besucher). Wir haben mehr als 50 Gruppen durch das Museum geführt und acht Stadtführungen veranstaltet. Die Gruppen kamen aus psychiatrischen Institutionen, Projekten und der Selbsthilfe, aus Schulen, von Aus-, Fort- und Weiterbildungsträgern und Krankenpflegeschulen aus Leipzig und dem gesamten Bundesgebiet. Zu den diesjährigen Höhepunkten gehörten die Lesungen zur Leipziger Buchmesse und die Museumsnacht im Mai. Auch am Tag des offenen Denkmals im September war das Museum beteiligt.

3. Termine und Informationen

3.1.  Öffnungszeiten Dezember

21.12. bis 23.12.            13 bis 18 Uhr
27.12. bis 30.12.            13 bis 18 Uhr

3.2. Veranstaltungen

„Zwanglos - Erleben von Machtlosigkeit und Fremdbestimmung in der Psychiatrie aus PatientInnensicht“
15.1. 2018, 14 Uhr, Psychiatriemuseum  
Präsentation von Studierenden der HS Merseburg

Leipziger Buchmesse
14. bis 18.3.2018
Lesungen im Psychiatriemuseum und psychiatriegeschichtliche Stadtführung (15.3.)

Museumsnacht Halle/Leipzig
5. Mai 2018
Motto: KULT


3.3. Ausstellungen

Das Team als Kurator
Neues und Unbekanntes aus der Sammlung Prinzhorn
bis 15. April 2018
Sammlung Prinzhorn, Heidelberg

4. Buchempfehlungen

Das kleine Lene Voigt Buch                                                                                                                                                                                                                                        
Eine Auswahl der schönsten Texte
Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke, Leipzig 2017
144 S., 14 Euro

Soeben ist die 2. Auflage dieses lange vergriffenen Buches in der Connewitzer Verlagsbuch­handlung Peter Hinke erschienen. Es versammelt die von der herausgebenden Lene-Voigt-Gesellschaft e.V. ausgewählten schönsten Texte von Lene Voigt. Mit den wunderbaren Illustrationen von Phillip Janta eine Empfehlung für alle »Erstleser« und Liebhaber der sächsischen Mundartdichterin.
Bestellung über: www.cvb-leipzig.de


Gegen das Vergessen – Mit der Geschichte lernen
Beiträge zur »Euthanasie« im Nationalsozialismus und die Bedeutung des Erinnerns für die Gegenwart
156 S., 10 Euro (Schutzgebühr)

Das Buch dokumentiert Vorträge aus den Jahren 2008 bis 2014, die im Rahmen des Begleitprogramms zum Gedenken für die Opfer von »Euthanasie« und Zwangssterilisation, die Medizinverbrechen an Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen im Nationalsozialismus in Berlin gehalten wurden.  Neben Beiträgen, u.a. von Thomas Beddies, Susanne Doetz, Petra Fuchs, Annette Hinz-Wessels und Hans-Walter Schmuhl, die sich mit Einzelaspekten der Geschichte der nationalsozialistischen Zwangssteri­li­sie­rung­smaßnahmen und »Euthanasie«-Verbrechen beschäftigen, widmen sich Experten und Politiker wie Michael von Cranach, Heiner Keupp, Ulla Schmidt und Michael Wunder den Konsequenzen und Herausforderungen für unser heutiges Handeln.
Das Kontaktgespräch Psychiatrie als einer der Organisatoren der jährlich am ersten Samstag im September am Gedenkort in der Tiergartenstraße 4 stattfindenden Gedenkveranstaltung hat die Zeitungsinitiative IRRTURM als Mitherausgeber beauftragt.
Die Dokumentation wird ergänzt durch Beiträge von Peter Lehmann, Dorothea-Sophie Buck-Zechlin u.a., die durch einen Aufruf des IRRTURMS für diese Publikation eingereicht wurden.
Das Buch kann gegen eine Schutzgebühr (10 EUR) bezogen werden:
IRRTURM, Gröpelinger Heerstraße 246 A, 28237 Bremen, 0421 3964808, irrturm@izsr.de



Egon Hassbecker
Haspelgasse 12 in Heidelberg
Erinnerungen eines Bildersammlers
Morio Verlag, Heidelberg 2016
560 S., 24,95 Euro

Die Liebe zur Kunst hat mich gerettet
Die Lebenserinnerungen des in Leipzig geborenen Kunstsammlers Egon Hassbecker

Der Titel dieser Autobiographie »Haspelgasse 12 in Heidelberg« ist für die Liebhaber Naiver Kunst eine gute Adresse. Denn hier befindet sich das 1982 von Egon Hassbecker gegründete Museum Haus Cajeth, mit dem der 2013 Verstorbene seinen Lebenstraum verwirklichen konnte.
Die Kindheit und Jugend verbrachte Hassbecker in Leipzig. Geboren wurde er 1924 in der Lilienstraße nahe der Rietzschke im Stadtteil Reudnitz. Dort wuchs Hassbecker mit seiner Mutter in der Wohnung seiner Großeltern auf. Den Vater hatte er nicht kennen­gelernt. Hassbecker stammte aus einer Musikerfamilie. Der Großvater arbeitete als Musiklehrer, sein Onkel Karl verdiente sein Geld als Geiger und Tanzmusiker u.a. im Forsthaus Raschwitz.
Detailreich schildert Hassbecker den Alltag in seinem Viertel in der Zeit um 1930: die Bäcker, bei denen die Kinder dicke Kuchenränder ergatterten, die Bierkutscher und Eiswagen, die durch die Straßen fuhren, die Mühsal der »großen Wäsche«, die Ausflüge nach Taucha bis die Familie einen eigenen Schrebergarten im Verein »Morgensonne« pachtete, oder die »Flohkiste«, das kleinste und billigste Kino in Leipzig in der Wurzener Ecke Breite Straße.
Die Schulzeit war von der Machtübernahme der Nazis geprägt. Trotzdem in seiner Familie niemand ein Parteiabzeichen trug, trat Egon als Zehnjähriger dem »Jungvolk« bei. Er habe die allgemeine Euphorie geteilt und kindlich an eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten und Freunden geglaubt. Doch die Aufmärsche und Exerzierübungen machten wenig Spaß und die Heimatabende erlebte er als öde. Dagegen waren die Sommerfreizeiten mit dem CVJM, bis sie schließlich untersagt wurden, eine glückliche Zeit.
Eingeprägt hat sich ihm die »Reichskristallnacht«, der Hass und die Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung, die mit Naziparolen beschmierten und zerstörten jüdischen Geschäfte, wie das Kaufhaus Wohlwert in der Wurzener Straße, und die brennende Synagoge in der Innenstadt. Die Nachricht vom Überfall auf Polen, der Beginn des Zweiten Weltkriegs, löste in der Familie keine Begeisterung aus. Neben der Lebensmittelrationierung blieb Hassbecker die Verdunklung der Stadt in Erinnerung. Von einigen kriegsbedingten Einschrän­kungen abgesehen, ging für ihn das Leben Anfang der 40er Jahre relativ normal weiter. Doch 1942 wurde Hassbecker zum Reichsarbeitsdienst einberufen und kam Ende des Jahres zur Wehrmacht. Die Grausamkeit des Krieges in Ostpreußen machte ihn zu einem überzeugten Pazifisten. Nach der Gefangen­schaft in der Sowjetunion kehrte Hassebecker 1949 nach Leipzig zurück, wo man sich in den neuen Umständen schon wieder eingerichtet hatte. Zehn Jahre seines Lebens habe er, so Hassbecker, verloren und doch sein Schicksal angesichts der Kriegsverbrechen als Gnade empfunden.
Mit den Verhältnissen in der DDR konnte er sich nicht anfreunden und ging in dem Bewusstsein, die ersten fünfundzwanzig Jahre seiner Lebens in Unfreiheit verbracht zu haben, aus dem ärmeren Teil Deutschlands in den Westen. Hier arbeitete er als Zeitschrif­tenverkäufer und gründete mit einem Freund einen Bücherdienst, bis er an Tuberkulose erkrankte, die ihn zu einem einjährigen Sanatoriumsaufenthalt zwang. Die Versorgungs­rente, die er aufgrund der Krankheit und einer Kriegsverletzung erhielt, ermöglichte ihm seine spätere Unabhängigkeit. Hassbecker heiratete und bekam mit seiner Frau zwei Kinder. In den 60er Jahren engagierte er sich in der Friedensbewegung. In Eberbach, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Heidelberg, betrieb er eine Reisebuch­handlung, die bald als »rotes Nest« galt. In seiner Biographie erzählt Hassbecker von der Begegnung mit Menschen, die seine Liebe zu Literatur und Bildender Kunst teilten und ihn bei den ersten Ausstellungen in der Buchhandlung unterstützten. Hassbecker begann, selbst Kunst zu sammeln. Den Schwerpunkt bildeten Werke der Naiven Malerei, die er zu erschwinglichen Preisen erwerben konnte. Auf abenteuer­lichen Reisen durch Ost- und Südeuropa in Begleitung seiner Lebensgefährtin Barbara Schulz entdeckte er neue Künstler. Abseits der Touristenpfade lernte er in Jugoslawien, der Tschechoslowakei, Rumänien und Italien Menschen kennen, die in Armut und Isolation am Rande der Gesellschaft lebten. Mit Empathie und Respekt schildert er deren Lebensumstände und Schicksale. In der Malerei hatten sie eine Ausdrucksform für ihre Erfahrungen und Sehnsüchte gefunden. Den meisten Künstlern seiner Sammlung ist Hassbecker mehrfach persönlich begegnet und mit ihrer Malerei verbinden sich für ihn die Erinnerungen an diese ungewöhnlichen Menschen.
1980 erhielt Hassbecker das Angebot, nach Heidelberg zu gehen, und eröffnete in der Haspelgasse eine Buchhandlung und 1982 das Museum Cajeth, das bis heute existiert und Heidelberg mit der Sammlung Prinzhorn zu einem Mekka der Outsider-Kunst in Deutschland gemacht hat.
In seinen letzten Lebensjahren hat Egon Hassbecker seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Das Ergebnis ist dieses Buch mit viel Leipziger Lokalkolorit, mit eindrücklichen Kriegs­erfah­rungen und seltenen Einblicken in das Schicksal und Schaffen der sogenannten Outsider-Künstler, denen er mit seiner bedeutenden Sammlung einen wichtigen Teil seines Lebens gewidmet hat.
Thomas R. Müller 
(zuerst erschienen in: www.leipzig-almanach)

5. Ihre Unterstützung

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Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort: Psychiatriemuseum

6. Abonnement und Kontakt

Um den Newsletter abzubestellen oder mit uns Kontakt aufzunehmen, schicken Sie uns bitte eine Mai an:

7.Impressum

Herausgeber:Sächsisches Psychiatriemuseum
des Vereins Durchblick e.V.
Verantwortlich im Sinne des Presserechts: Thomas R. Müller

Redaktionsschluss: 20. Dezember 2017

www.psychiatriemuseum.de
www.durchblick-ev.de

© Sächsisches Psychiatriemuseum Mainzer Straße 7  04109 Leipzig

 

 

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